Ausbildung / Arbeitplätze

Schon während der Aufbauphase des Projekts KAYADj sind mehrere Arbeitsplätze geschaffen worden und einige Personen haben eine handwerkliche Ausbildung erfahren.

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Bauteam im August 2009

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Vielfältiges handwerkliches Fachwissen

Omar Mané kann nicht lesen und schreiben und spricht auch kein Französisch. Das hat er in der Koranschule nicht gelernt. Doch er hat längst gemerkt, dass er mit KAYADj eine Chance für seine Zukunft hat. Neben einfachen Garten-, und Grubenarbeiten, wofür er im Februar 2009 eingestellt wurde, hat er bei Maurer-, Dachdecker-, Metallbauer- und bei Malerarbeiten mitgewirkt. Mit seinem Interesse, seinem Engagement und seinem praktischen Verstand hat er schon viele handwerkliche Arbeitsgänge gelernt. Seine Freude ist gross, wenn ihm der Projektleiter die Verantwortung für neue Aufgaben überträgt. Er wünscht sich, Schreiner zu werden. Omar weiss: für die Ausbildung als Schreiner braucht er die französische Sprache und er muss lesen und schreiben können. Aus eigener Initiative sitzt er nun täglich mit Aboubacar, dem Wächter zusammen um zu lernen. Ein Portrait von Omar Mane finden Sie unter „Menschen im Umfeld".

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Lernen durch Lehren

Auch Aboubacar Traoré profitiert, wenn er Omar unterrichtet. Die Aufgabe als "Privatlehrer" stärkt sein Selbstvertrauen. Zwischen den beiden entstand eine Freundschaft, über die Grenzen der Familienclans hinweg. Auch „Zopf" der junge Wachhund hat von Aboubacar noch viel zu lernen.

Bibliothek

In der Region sind ausserhalb der Schule keine Bildungsmöglichkeiten vorhanden und das Fernsehen bietet im besten Falle billige Unterhaltung. Aboubacar Traoré, der bildungshungrige Wächter hat den Projektleiter auf die Idee gebracht, eine Bibliothek aufzubauen. Das Interesse von Aboubacar gilt insbesondere der Allgemeinbildung. Weit und breit besitzt niemand irgend welche Bücher und um solche zu kaufen, fehlt das Geld. Aboubacar ist der erster Benutzer des ersten Buches der Bibliothek. Er liest ein Buch über den Dichter Léopold Sédar Senghor, den ersten senegalesischen Präsidenten (1960 – 1980). Für den Aufbau der Bibliothek werden Bücher in Französisch oder einer senegalesischen Landessprache gesammelt.

Ausbildung in Metallbau

Sadio Aziz Sall hat in seiner winzigen Metallbauwerkstatt in Kafountine (10 km von Albadar entfernt) die Schiebetüren, Fensterläden und Metallroste für KAYADj in Albadar hergestellt. Sadio konnte weder die technischen Zeichnungen lesen, noch hat er jemals etwas ähnliches gebaut. So wurde eine enge fachliche Begleitung unumgänglich und der Projektleiter fuhr täglich, oft mehrmals zu ihm nach Kafountine, um ihm Schritt für Schritt weiter zu helfen.

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Die Metallroste, die im Oberlicht der Ateliers montiert wurden, boten viele Möglichkeiten zur Ausbildung. Auch wenn die enge Zusammenarbeit mit den unzähligen Fachgesprächen nicht als offiziell anerkannte Ausbildung angesehen werden kann, sind es Schritte in einer sehr praxisnahen fachlichen Weiterbildung.

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Ein weiteres Lernfeld sind die Schiebetüren, die erstmalig in dieser Gegend gebaut werden. Sadio lernt bei deren Herstellung sehr viel Neues.

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Was von langer Hand geplant wurde, sieht am Schluss ganz leicht aus und Sadio, der Metallbauer darf stolz auf seine Arbeit sein.

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Berufskunde und technisches Zeichnen

Sadio will nun lernen, Aluminiumfenster- und Türen herzustellen. Doch er weiss, sobald ein Fenster oder ein Metallrost auch nur ein wenig von der „üblichen" Konstruktion abweicht, fehlen ihm die technischen Grundlagen. So hat er den Projektleiter gebeten, ihm zu helfen. Für Sadio wurde ein Berufskunde-Ordner für den Metallbau beschafft, den er heute sorgfältig durcharbeitet. Immer wieder kommt er mit Fragen zum Projektleiter. Doch da gilt es Prioritäten zu setzen, denn vermutlich wird Sadio beispielsweise nie ein Messgerät für Tausendstel Millimeter benötigen. Noch wichtiger als die Berufskunde, sind Grundlagen des technischen Zeichnens und der räumlichen Vorstellung. Dazu kommt er nun als erster Schüler viermal wöchentlich nach Albadar ins Projekt KAYADj zum Unterricht. Der Projektleiter macht seine ersten Unterrichtserfahrungen in Senegal und Sadio profitiert für seine berufliche Zukunft.

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Maurerarbeiten

Obwohl es in Senegal viele Maurer gibt, hat der Projektleiter in der Umgebung keinen Maurer gefunden, der sein Handwerk von Grund auf beherrscht. Die Bauleute verstehen sich einzig auf den Nachbau von Häusern, die sich alle sehr ähnlich sind. Insbesondere in Bezug auf Nachhaltigkeit sind für den Bau von KAYADj in Albadar viel höhere Ansprüche zu stellen. Ein betoniertes Fundament zum Beispiel, ist etwas Neues und erfordert entsprechende Bautechniken. Nur schon eine minimale Überdeckung des Armierungseisens zum Schutz gegen Korrosion ist „Neuland".

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Solche Dachträger aus Beton wurden hier noch nicht gesehen. Vieux Keyta, ein Maurer von Kafountine ist für die Dachkonstruktion verantwortlich. Der Projektleiter zeichnet die Schalung für die Dachträger auf den Atelier-Boden 1:1 auf und fertigt die erste Schalungshälfte selbst. Das hilft Vieux, sich die Konstruktion vorzustellen. Anschliessend führt Er, eng begleitet vom Projektleiter, die weiteren Schritte aus. Die Armierungseisen werden am Boden in der Schalung auf das genaue Mass gebunden.

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Auf dem Bild ist zu sehen, wie die am Boden vorgefertigten Armierungseisen oben in der Schalung montiert sind.

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Holztrocknung

Holz für unseren ersten Auftrag ist unter Dach und wird hier nach gründlicher Reinigung gerade fachmännisch zur Trocknung aufgeschichtet. Mit Interesse lernen die Mitarbeiter hier die „Lufttrocknung" kennen. Eine einfache Methode der professionellen Holztrocknung.

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Teamarbeit, ein Beispiel

Lamp Fall nennen wir die Lampe, die in der Herstellung ihre Knacknüsse zu bieten hatte. Die Idee war, mit einer einzigen Lampe das ganze Atelier Metall zu beleuchten. Aus den Resten des Zaundrahtes soll eine Kugel von 1.1m Durchmesser geformt und mit einem weissen Stoff bespannt werden.

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Ähnlich wie die auf einem Globus aufgezeichneten Längen- und Breitengrade, bilden die Drähte die gesuchte Form. Auf einem 1:1 Plan können die einzelnen Drähte direkt hingehalten, auf die richtige Länge geschnitten und die Schnittpunkte bzw. Lötstellen eingezeichnet werden. Das Zusammenlöten macht den Metallbauern in Kafountine viel Freude, sie löten fleissig bis in die tiefe Nacht hinein, bis das Gas für den Brenner ausgeht. Vier Tage später kann die Arbeit mit neuem Gas fertig gestellt werden. An der konkreten Arbeit zeigt sich eine Möglichkeit, wie mit Draht eine Kugel geformt werden kann. Omar hat das Drahtgestell gereinigt und mit Rostgrund gestrichen. Aufhängung, Kabel und Lampenfassung fertig zu stellen war dann Aufgabe des Projektleiters. Für den Stoffanzug war Massal, ein Schneider von Ziguinchor zuständig. Er begreift sofort, wie die Zeichnung zu lesen ist. Der 32-igste Teil der Abwicklung Nord-Süd ist 1:1 aufgezeichnet und für Nord- bzw. Südpol ein Kreis. Massal versteht es bestens, den „Anzug" der Lampe zusammen zu nähen und die Öffnung für den Reissverschluss am richtigen Ort anzubringen.

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Neue Arbeitsplätze

Bereits während der ersten zwei Projektjahre sind Arbeitsplätze für durchschnittlich 8 Personen geschaffen worden. Arbeitsplätze, bei denen sich die Mitarbeitenden auf die Lohnzahlungen verlassen können, eine medizinische Versorgung erhalten und eine gesunde Ernährung geniessen. Das ist keine Selbstverständlichkeit in dieser Gegend. Darüber hinaus hat jeder, der sich engagiert, die Chance auf Weiterbildung. Auf dem Bild sehen Sie wie Muscheln für die Betonmischung abgeladen werden.

Ausbildung Schreinerei

Die MitarbeiterInnen und Auszubildenden bringen sehr unterschiedliche Voraussetzungen und Begabungen mit. Um einen Lernerfolg zu erzielen muss individuell auf die Einzelnen eingegangen und ein realistisch erreichbares Lernziel festgelegt werden. In kleinen Modulen sollen theoretische Grundlagen immer dann unterrichtet werden, wenn der praktische Arbeitsgang an konkreten Aufträgen eingeübt werden kann.

Das Ziel ist es, die Ausbildung anhand der konkreten Aufgaben zu gestalten.

Dafür ist es wichtig, die Voraussetzungen, die die MitarbeiterInnen mitbringen, im Voraus zu kennen, um die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt zu den passenden Aufgaben zuzuteilen. Nicht nur das gelungene Produkt alleine zählt, ebenso wichtig sind die Lernerfolge und die Weiterentwicklung der einzelnen Ausbildungsmodule.

Auf diese Weise werden die Lernmodule organisch mitwachsen und sich optimal den Aufträgen, den vorhandenen Materialien und den Klimabedingungen anpassen.

Wer einzelne Module in Theorie und Praxis beherrscht, soll bald als AusbildnerIn eingesetzt werden können.